Ärzte drohen - Honorare im Widerstreit der Partner -  KBV und Spitzenverband der GKV verhandeln nach Schlichterspruch weiter  - Überzogene Forderungen der Ärzte?

Es ist nicht das erste Mal, dass mit harten Bandagen in Verhandlungen über höhere Honorare  gekämpft wird. Neu ist allerdings, dass diese heftigen verbalen Attacken gegen die GKV von Seiten der Ärzte nach einem Schlichterspruch der ihnen  immerhin eine Honorarausweitung im geschätzten Volumen von 270 Mill. € gebracht hätte, geführt werden. (siehe auch unser Bericht: Mit Honoraren unzufrieden -Ärzte gegen Schlichterspruch - Streik angedroht).

 

Wir haben Verständnis dafür, dass auch Ärzte nicht von der allgemeinen Lohn-/Gehaltsentwicklung bei ihren Einkommen abgekoppelt werden wollen. Allerdings fehlt uns jedes Verständnis dafür, dass  diese Erhöhung sich - nach Berechnungen der GKV - 11% gegenüber den bisherigen Entgelten betragen sollen. Eine solche Erhöhung dann auch noch - wie Eingangs der Diskussion öffentlich im Fernsehen behauptet - als dem Patientenwohl dienend zu bezeichnen zwingt uns zwangsläufig dazu uns mit der Situation der Verteilung der von den Krankenkassen an die KBV überwiesenen Beträge zu beschäftigen.

1. Bei der Diskussion um die Erhöhung der Honorare geht man geflissentlich über den Sachverhalt hinweg, dass die von den Kassen überwiesenen Milliarden allein von den Ärzten durch ihre Selbstverwaltung an die Kassenärzte verteilt werden.

2. Die Beschwerden einzelner Fachärztegruppen wegen der aus ihrer Sicht zu geringen Zuweisung von Finanzmitteln gehen daher zuallererst an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). In den Gremien der KBV zum Beispiel ist zu entscheiden, ob die Apparatemedizin  eines Röntgenologen extrem höher bewertet soll, als die Tätigkeit eines Kinderarztes.

3. Ist von der KBV der Öffentlichkeit gegenüber darzulegen, warum sie die Steuerung der Honorarzahlungen an die einzelnen Arztgruppen so wie sie jetzt ist vornimmt. Dabei hat die KBV auch offenzulegen was gegen eine gegenüber bisher benachteiligten Arztgruppen bessere oder sagen wir gerechtere Verteilung spricht. Dabei muss daran gedacht werden, dass nicht immer on top erhöht werden kann, sondern dass die Gerechtigkeit der Verteilung unter Berücksichtigung der jeweiligen Leistung unter den Ärzten hergestellt werden muss.

Jetzt drohen die Ärzte sogar mit Rückgabe der Kassenzulassung. Damit mit der Auflösung wohl ihrer Selbstverwaltung und der Rückgabe des Sicherstellungsauftrages. Soweit wird es sicherlich nicht kommen. Schließlich verhandelt man wieder und nicht alle Ärzte werden sich dem Wunsche ihrer Verbandsoberen anschließen. Allerdings ist diese Art der Drohung des doch  so privilegierten Personenkreises erstaunlich.

Haben sie es doch wohl vergessen, dass sie noch einen anderen Auftrag haben, als unaufhörlich ihre im Schnitt so geringen Einkommen von (Ärzten zugeben) 134000 Euro oder (von der GKV behauptet) 165 000 Euro im Jahr zu Lasten der Beitragszahler zu erhöhen. Nicht zuletzt wird das  Studium der Ärzte - auf den Universitäten doch von denjenigen mit ihren Steuern bezahlt, die sie dann als Patienten behandeln und deren Beiträge von den Kassen eingesammelt werden um diese dann an ihre Selbstverwaltung der Ärzte zu überweisen. Natürlich kosten auch andere Ausbildungen auf der Universität Geld, allerdings die teuerste Ausbildung liegt bei den Ärzten. Zudem ist festzustellen, dass die Ärzte mit ihren Einkünften mehr als 99% aller Arbeitnehmer verdienen.

Wir raten den Ärzten, ihre Drohgebärden aufzugeben und  maßvolle Forderungen orientiert an der Lohnentwicklung aufzustellen. Am Hungertuch muss bei den Ärzten auch aufgrund der letzten Erhöhung der Honorare keiner nagen.

Siehe auch: Honorarstreit: Ärzte drohen Kassen mit Systemausstieg /KK-Direkt

Siehe auch: Medizin und Moneten - FR vom 25.09.12


   
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